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Pünktlich am Sonntagabend beginnt der Magen zu drücken, der Bauch zu grummeln. Allein bei dem Gedanken an den Montag und den Sitzungsmarathon von neun bis 20 Uhr, wo ein Meeting das nächste jagt. Dabei hat Herr Dr. B., von Headhuntern angeworben, einen Traumjob: Vorstandsassistent, im Zentrum der Macht gewissermaßen. Demnächst soll er die Rechtsabteilung im Konzern übernehmen. Doch seine strategische Position weckt im Unternehmen Begehrlichkeiten, jeder will was von ihm. Er fühle sich, sagt er, zuweilen regelrecht „umzingelt von Akten und Leuten“. Und jeden Sonntagabend baut sich vor seinem inneren Auge ein „Berg“ auf, der unüberwindbar scheint.
Wenn die Klienten Heidrun Vössing solche Metaphern bieten, dann ist schon viel gewonnen. Im Coaching arbeitet sie u.a. mit diesen inneren Bildern, um ihre Kunden von quälenden Emotionen zu befreien. Es sind meist Führungskräfte– Nachwuchs, der sich in seine Rolle finden möchte, gestandene Manager, die vor neuen Herausforderungen stehen. „Diese Menschen“, sagt Heidrun Vössing, „werden oft angefeindet, erfahren manchen Verlust im Job, auch menschliche Enttäuschungen.“ Sie erleben Stress und die ganze Palette negativer Emotionen: Wut, Ärger, Angst, Scham. „Da komme ich mit einer nüchtern-analytischen Vorgehensweise, wie sie die Coaching-Literatur oft empfiehlt, nicht sehr weit.“ Heidrun Vössing, NLP-Lehrtrainerin und Lehrcoach, hat sich eingehend mit anderen Techniken befasst, darunter EFT (Emotional Freedom Techniques), EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing)und wingwave, und eine eigene Methode des Emotionscoachings entwickelt. Sie nennt sie Wavivid-Coaching.
Gleich nach dem Studium der Pädagogik, Psychologie und Soziologie hat Heidrun Vössing eine Senioreneinrichtung im Ruhrgebiet geleitet – als einzige Frau im Leitungsgremium und mit unter 30 Jahren sowieso die Jüngste. Der Träger war dabei, ein neues, kooperatives Führungskonzept einzuführen, u.a. mit regelmäßigen Mitarbeitergesprächen und persönlichen Zielvereinbarungen. Sie merkte: „Personalentwicklung ist mein Ding.“ Theoretisch rüstete sie sich in Seminaren und mit Fachliteratur. Ein befreundeter Professor machte sie auf das Neurolinguistische Programmieren aufmerksam. In der Master-Ausbildung kam ihr erstmals die Idee, sich selbständig zu machen. Sie bildet sich in den USA bei Robert Dilts zur NLP-Trainerin weiter. Und gründet ihr Institut „Art of NLP“ in Bielefeld.
Ihren ersten großen Auftrag zum Management- und Kommunikationstraining bekam sie von den BodelschwinghschenmAnstalten, der größten Non-Profit-Einrichtung in Europa. Auch an ihren ersten Coaching-Auftrag erinnert sie sich gut, wenngleich es damals, Mitte der 90er Jahre, noch anders hieß. Eine Führungskraft des Bertelsmann-Konzerns wollte sich das übliche Dreitage-Training in der Gruppe ersparen und bat Heidrun Vössing um zwei Tage „Einzelberatung“ im Zeit- und Selbstmanagement samt Einblick ins NLP.
Heidrun Vössing weiß, wie es in Führungsetagen zugeht, weiß um die Blockaden durch negative Gedanken und Gefühle. Wenn der Magen sich verkrampft, allein bei dem Gedanken an die Sitzungen am Montag, und die Angst den Nacken hochsteigt, die Arbeit nicht mehr bewältigen zu können. Bei ihr in der Praxis kommen gestresste Führungskräfte in Kontakt zu ihren inneren Bildern und zu den Glaubenssätzen, die sie behindern. Und sie erleben, wie im Grunde einfache Techniken eine enge neuronale Verknüpfung von Vorstellungen und Emotionen herstellen und die Angst im Nacken schwinden lassen. Sie sehen vor ihrem inneren Auge, wie der Berg immer kleiner wird und versinkt, wie die Wand aus Akten und Bittstellern sich auflöst. Auch unser junger Vorstandsassistent, Dr. B., konnte so seinen Fluchtreflex vor dem Montagmorgen überwinden. Nun leitet er die Rechtsabteilung. Ihre Erfahrungen im Emotionscoaching hat Heidrun Vössing in einem Buch zusammengefasst, das im Herbst erscheinen wird.