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Kennen Sie das? fragt Beate Brüggemeier. Sie sind zum Gespräch mit einem Vorstand geladen und verspüren schon im Vorzimmer „so eine merkwürdige Stimmung“. Still, kalt, „irgendwie tot“. Menschen wie von Strippen gezogen, der Umgangston von steriler Unverbindlichkeit. Woran liegt das? Es dauerte eine Weile, bis Beate Brüggemeier, Trainerin und Coach, sich diese Frage nicht mehr nur rhetorisch stellte, sondern nach einer Antwort suchte. Und dabei Marshall Rosenberg und die von ihm entwickelte Gewaltfreie Kommunikation kennenlernte. Seither hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, in Seminaren und Coachings Menschen darin zu unterstützen, sich mit ihren Bedürfnissen zu verbinden und die Verantwortung dafür zu übernehmen, diese Bedürfnisse auch zu erfüllen.
Beate Brüggemeier machte sich vor zwanzig Jahren selbstständig. Das EDV-Geschäft boomte, als Berufsschullehrerin und bei Microsoft geschulte Trainerin begann sie Handbücher für Software-Unternehmen zu entwickeln. Sie übernahm Aufträge zur Organisationsberatung sowie im EDV und Managementtraining für die Luftfahrt, den öffentlichen Dienst und in der freien Wirtschaft. Sie bildete sich als Rhetorik- und Kommunikationstrainerin sowie als Coach weiter. Denn sie erkannte, dass es weniger die neuen Techniken und formalen Abläufe in den Unternehmen sind, die Menschen das Leben schwer machen, als vielmehr unausgesprochene und ungelöste Konflikte. In ihren Seminaren trifft sie gewöhnlich die ganze Bandbreite der Hierarchie: vom Assistenten über die Marketingfrau bis zum Manager.
Auch wenn es „nur“ um ein effektiveres Zeitmanagement geht oder um die Kommunikation: Menschen merken, wenn sie an ihre Grenze stoßen, sagt Beate Brüggemeier. Warum machen meine Mitarbeiter nicht, was ich will? Warum herrscht so ein unverbindliches Arbeitsklima in meiner Abteilung? Mit ein, zwei scheinbar harmlosen Fragen gelangen sie rasch zu einem grundlegenden Anliegen. Und sie beginnen darüber nachzudenken, worauf es ihnen im Leben ankommt.
Seit 2002 bietet Beate Brüggemeier GFK-Kurse für Unternehmen an. Die GFK habe noch einmal „einen deutlichen Schub“ in ihre Trainer- und Beratertätigkeit gebracht. Größere Konzerne schicken gern ganze Führungsstäbe, meist Männer. Beate Brüggemeier arbeitet gern mit ihnen. „Da sitzen fünf, sechs Männer, die ihren Ärger und Stress bewältigen wollen und zu begreifen beginnen: Okay, das hat mit mir zu tun.“ Die sich vielleicht erstmals in ihrer Karriere Gefühle eingestehen, zu denen auch Zweifel und Sorge gehören. Und die womöglich erstmals ihre Bedürfnisse dahinter erkennen – etwa nach Anerkennung, Respekt, Zugehörigkeit.
Beate Brüggemeier ist selbst zuweilen berührt, wenn sie erlebt, wie bei diesen „High-Performern“ der Knoten platzt. Wenn sie in der Partnerarbeit zum Beispiel von einem Kollegen eine kleine wertschätzende Geste gespiegelt bekommen, die sie selbst längst vergaßen, weil sie Jahre zurückliegt. So jemand wird dem anderen künftig aufmerksamer als bisher begegnen und auch besser auf die eigenen Bedürfnisse achten.
Das mache die GFK so wirksam, sagt Beate Brüggemeier: diese Möglichkeit, sich mit den eigenen Bedürfnissen und denen des anderen zu „verbinden“. Gerade in der Wirtschaft, gerade in Krisenzeiten. Mitarbeiter fürchten um den Arbeitsplatz, Manager fürchten sich davor, schlechte Botschaften zu überbringen oder ihre Unternehmensziele zu verfehlen. Sie wollen die Menschen erreichen, aber sie meiden die Gefühlsebene, um nicht in Emotionen zu versumpfen. Die GFK helfe, die „Kraft der Gefühle“ zu nutzen, um zu dem grundlegenden Bedürfnis zu kommen, das in diesem Moment Mitarbeiter wie Manager eint: das Bedürfnis nach Sicherheit, sagt Beate Brüggemeier. „Ich kann klären, was ich als Manager dafür mache und was die Aufgabe der Belegschaft dabei ist.“ Damit weiß im besten Fall jeder, was zu tun ist und kann Verantwortung übernehmen. Die Krisensituation ist nicht weggeredet. Aber sie fühlt sich besser an.