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Der Durchbruch, sagt Petra Bock, kam praktisch über Nacht. Ihr neues Buch ist gerade erschienen, am Abendtritt sie als Gast in einer Talkshow auf, und am nächsten Tag liegen 110 elektronische Anfragen für ein Coaching in ihrem Mailkasten. Sie ist damals Mitte 30, promovierte Politikwissenschaftlerin mit einer beeindruckenden Karriere als Unternehmensberaterin und Analystin in der Frankfurter Bankenwelt. „Aber immer dann, wenn ich eine bestimmte Position erreicht hatte, stellte ich mir die bange Frage, ob ich diesen Job jetzt mein Leben lang weitermachen müsste“, schreibt Petra Bock in jenem Buch mit dem Titel „Die Kunst seine Berufung zu finden“.
Es ist ein Buch, an dessen Anfang sie ihr eigenes Scheitern stellt, die existenzielle Krise einer erfolgreichen und dennoch oft freudlosen Leistungsträgerin dieser Gesellschaft. Damit trifft sie den Nerv von Menschen ihrer Generation, die nach den ersten Berufsjahren rasch Erfolg haben, aber in ihrem Job weder Spaß finden noch einen Sinn darin erkennen. Es sind Ärzte mit „herrlichen Praxen“, wie sie schreibt, Unternehmensberater mit horrenden Tagessätzen, Assistentinnen im schillernden Arbeitsumfeld, Medienprofis mit großem Publikum, aber einsam. „Irgendwo muss es doch sein, das wahre Leben, das scheue Tier, das man gerne öfter sehen möchte“, so heißt bei Petra Bock das Generalthema der „Quarterlife-Crisis“. Ihr Buch beschreibt, wie sich der Lebenstraum (wieder-) finden und erreichen lässt.
Es sind Grundfragen, die sie sich und ihren Lesern stellt: Wer bin ich, worauf kommt es mir im Leben an und wohinwill ich gehen? Sie betreffen jede und jeden, wie sich in ihrer voll ausgelasteten Coachingpraxis zeigt. Der jüngste Klient von Petra Bock ist 19 Jahre alt, die älteste Klientin 83. Gerade die Frage, wie ein alter Mensch seinen letzten Lebensabschnitt noch einmal mit einem Motiv, einem Thema aus seinem Lebenstraum verbinden kann, ist hochaktuell, sagt sie. Die Coachinganfragen erreichen sie aus allen Schichten – von der Hausfrau über die Politikerin bis zum Top-Manager, „die ganze Bandbreite des Lebens“, schwärmt sie.
Ihre eigene Berufung hat Petra Bock inzwischen in genau dieser Tätigkeit gefunden, als Coach und Ausbilderin, im „Eins-zu-Eins-Kontakt“ mit Menschen auf der Suche nach Orientierung und Sinn. Dass sie dabei offen mit den Erfahrungen eigenen Scheiterns umgeht, verleiht ihr ein hohes Maß an Authentizität und macht sie als Coach attraktiv. Wer selbst durchs Feuer ging, der muss doch wissen, wie man aus der Asche aufsteigt. Wie man Wind unter die Flügel bekommt und die Flughöhe erreicht. Und wie man sie hält.
Mittlerweile ist sie in fast allen großen Medien präsent und hat eine eigene Coaching-Akademie gegründet, in der sie Life- und Businesscoaches ausbildet.
Ihre Entscheidung, die Frankfurter Bankenwelt zu verlassen und ihren stressreichen, aber hoch dotierten Job gegen eine finanziell unsichere, aber weitgehend selbstbestimmte berufliche Eigenständigkeit zu tauschen, überkam Petra Bock ebenfalls praktisch über Nacht. Und zwar an einem Heiligabend, den sie krank und fiebernd verbrachte und voller Zweifel über ihren bisherigen Lebensweg. Am Ende jener Nacht sieht sie sich im Geiste an einem "wunderbaren alten Schreibtisch“ sitzen, bei geöffnetem Fenster, den Blick
auf einen Obstbaum im Garten. Und spürt schlagartig: Das ist es! Es braucht stets einen starken Impuls, sein Leben zu ändern, und auch dann bleibt das Leben eine Reise gewissermaßen auf schwankender Flughöhe, mit Höhen und Tiefen. Aber stets im engen Kontakt zu sich selbst. Das Geheimnis liegt dabei in der Passfähigkeit, und dies wiederum ist eine der erstaunlichsten Erkenntnisse aus einem weiteren Buch, das sie inzwischen schrieb, und zwar über das gestörte Verhältnis vieler Menschen zum Geld: Es geht nicht um Gewinnmaximierung, sondern um das „persönliche Optimum“. Es geht darum, zu wissen, „was man wirklich braucht“. Man darf auf ihr nächstes Buch gespannt sein. Es erscheint in diesem Herbst.