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Lernen, sagt Birgit Bader, sei für sie etwas Wunderbares. „Ich bin immer gern zur Schule gegangen.“ Man merkt es ihrer Vita an. Die weist sie als approbierte Psychologische Psychotherapeutin aus mit zwei Diplom-Studienabschlüssen
in Pädagogik und Psychologie sowie einem Staatsexamen in Deutsch und Politik. Dazu zwei Handvoll Zertifikate: von EMDR über die Hypnotherapie bis hin zur TZI, der Themenzentrierten Interaktion nach Ruth Cohn. Und natürlich NLP, und zwar mit allen zur Zeit denkbaren Abschlüssen. Das ist die eine Seite von Birgit Bader, Aktivistin der Neurolinguistischen Psychotherapie in Deutschland.
Und ihre andere Seite?
Sie erinnert sich noch gut an einen Workshop mit Norman Liebermann vor gut 25 Jahren am Odenwald-Institut. Die Frauen und Männer saßen im Stuhlkreis und jeder Einzelne sollte sich in der Mitte mit einer Pantomime vorstellen. Birgit Bader aber wollte nicht. Ganz und gar nicht. Um keinen Preis. Und als die Reihe an sie kam, sagte sie: So, ich bleib jetzt hier sitzen und schmeiß eine Bombe in die Mitte. „Ich hab meine kritische Seite nie groß vor der Öffentlichkeit versteckt“, sagt sie. Das ist die andere Seite von Birgit Bader. Beides gehört zu ihr: die Lust und die Unlust. Und über beides spricht sie offen und ohne Scheu.
Ihr Staatsexamen in Marburg fiel in die Zeit der großen Lehrerschwemme. Da sie keine Lust auf die Warteschleife als Taxifahrerin hatte, verdiente sie ihr Geld als Kneipenwirtin und als Trainerin für Kommunikation, Selbsterfahrung, Stress und Konfliktbewältigung. Und begann ihren Weiterbildungsmarathon – als wissbegierige, aber weiß Gott nicht pflegeleichte Elevin. Selten ging ein Trainer positiv auf ihre „Spontan-Aktionen“, wie sie sie nennt, ein. Als Provokationen blieben sie, wie im Liebermann-Workshop, einfach im Raum stehen. „Mit aller Schärfe“, wie Birgit Bader sagt. Es half ihr nicht, dass ihr hinterher Mitkursanten auf die Schulter klopften: Toll, wie du es dem vorhin gegeben hast.
Zu den Trainerinnen, die diese „Schärfe“ zu nehmen wussten, zählt Gundl Kutschera, bei der sie Mitte der 80er Jahre fünf Tage NLP erlebte, und zwar im Rahmen einer TZIWahlveranstaltung. In den TZI-Seminaren saß sie oft etwas verloren „zwischen verkniffenen Lehrern und Theologen“, und dann kam Gundl – „mit Afro-Look und in kackbrauner Lederhose“ und stellte ihren Fuß auf die Sitzfläche eines Stuhls. „Zuweilen schlug sie sich mit der flachen Hand auf den Hintern. Das gab jedes Mal so ein klatschendes Geräusch, ich dachte nur, wow, dass man als Trainerin, Lehrerin so sein darf!“ Es ist Birgit Baders erstes und vielleicht gründlichstes Aha-Erlebnis.
Später geht sie nach Hamburg, arbeitet, neben Supervision und Erwachsenenbildung, als Streetworkerin. Sensibel genug für ihre eigenen dunklen Seiten, kommt sie rasch in guten Kontakt zu den Schattengestalten dieser Gesellschaft: Junkies, HIV-Positiven, Strichern, Transsexuellen. Sie schreibt Bücher über ihre Erfahrungen mit ihnen. Mit einem eigenen Gesundheitstraining hilft sie Frauen und Männern ihre „HIV-Identität“ abzulegen, unter der Menschen mit Aids ihre Ressourcen oft begraben. Birgit Bader wird zu Talkshows eingeladen, „Der Spiegel“ und andere Magazine stellten sie vor. „Ich war eine richtige VIP.“ Doch in dem Moment, als sie zur Expertin für Drogen, Aids und sexuelle Orientierung erklärt wurde, verliert sie die Lust.
Birgit Bader steht skeptisch jeglichem Expertentum gegenüber. Und lässt sich ungern vereinnahmen. Sie wird misstrauisch, wenn jemand „gestelzt und lupenrein daherkommt“. Das macht sie zur Grenzgängerin, natürlich, sie merkt es stets auf Kongressen, wo sich „überall die Fan-Klubs“ tummeln. Sie hat gelernt es auszuhalten, nicht vollständig dazu zu gehören. Es verschafft ihr auch ein Gefühl von innerer Freiheit. Und wenn sie in der Konferenzpause jemanden am Kaffeetisch leise lästern hört, dann weiß sie, dass sie einen Gleichgesinnten gefunden hat.