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Der Überzeugungsarbeiter

Ronnie Amsler

 

Ein Videoclip im Internet von den Züricher Festwochen 2007 zeigt vier coole Herren in gesetztem Alter, die gekonnt zwischen Punk und Rock grooven. An der Leadgitarre mit Brille und markantem Schädel: Ronnie Amsler. Das Publikum geht mit, sichtlich begeistert, enthusiastisch. „Jetzt müssten eigentlich die ersten Bierflaschen fliegen“, schrieb ein Rezensent im Tageblatt damals über das Konzert von HERTZ, die als Band schon Anfang der Achtziger eine Legende waren und sich zwanzig Jahre später wieder zum Musizieren zusammenfanden. Doch auch die Fans sind älter geworden. Und ruhiger. Was zeigt, dass Menschen sich verändern. Auf dieser schönen Tatsache gründet die Arbeit, der Ronald Amsler in seinem „bürgerlichen“ Leben nachgeht: Er ist Trainer und Coach mit eigenem Unternehmen, dem NLP-Institut Zürich.

Am Neurolinguistischen Programmieren interessierte Amsler von Beginn an vor allem das Meta-Modell der Sprache. Aus seinem Linguistik-Studium kannte er Chomskys generative Transformationsgrammatik als schwer verdauliche Kost und war überrascht, „wie praktisch“ Richard Bandler und John Grinder die Frage nach der Wirkung von Sprache mit ihrem Meta-Modell anpackten. Die beiden NLP-Gründer hatten dazu erfolgreiche Therapeuten beobachtet, wie sie mit gezielten Fragen kleine Keile in das Weltbild ihrer Klienten trieben und persönliche Verhaltensänderungen anstießen. Ronald Amsler war „fasziniert“ von der Erkenntnis, „wie Menschen die Welt in ihren Köpfen konstruieren“. Und wie gut das Meta-Modell ihnen helfen kann, selbst hartnäckige Glaubenssätze
abzulegen, die sie behindern und einschränken.

Ronald Amsler hatte in Zürich und San Diego studiert, u.a. Literatur und Philosophie, in der Werbebranche und fürs Theater gearbeitet, später war er viele Jahre an einer Schweizer Managementschule für Personal und Ausbildung zuständig. 1990 gründete er sein Institut, in dem er mit weiteren Trainern und in engem Kontakt mit Richard Bandler tätig ist. Das Meta-Modell der Sprache, das er mit eigenen Arbeiten weiterentwickelte (siehe K&S, Heft 3/09, Seite 16), spielt dabei eine große Rolle.

Amslers Spezialität ist laut Vorstellung auf seiner Website „Sprachmuster, die er als Linguist vertieft, neu verpackt und ergänzt hat“, so dass das Lernen und Anwenden „zum Pappenstiel“ werde. In jedem Problem steckt auch eine Ressource, zitiert er frei eine Grundannahme des NLP. Ist das naiv? Blauäugig? Nein! sagt Ronald Amsler, dem Bandler einst als einem der wenigen den Titel NLP-Master-Trainer verlieh. Natürlich kommen Menschen auch an ihre Grenzen.
Viele haben sie ja schon im Kopf, bevor sie darauf stoßen, oft ein Leben lang. „Warum soll ich sie auch noch darauf hinweisen?“ NLP bedeutet für Ronald Amsler, Menschen Überzeugungen zu vermitteln, die ihnen nutzen. „Die Frage heißt nicht: stimmt diese Überzeugung oder stimmt sie nicht. Die Frage lautet: Wohin kommen wir, wenn wir sie glauben!“

Am Anfang des NLP stand die Sprache als Ausdruck des Denkens, also ein eher intellektueller Aspekt des Verhaltens. Seinen Erfindern ging es darum, das Musterhafte in der Kommunikation vom Zufälligen zu trennen und so Gesetzmäßigkeiten aufzuzeigen. Inzwischen entdeckt die NLPCommunity die Emotionen als „zentrales Thema für alle Überzeugungsarbeit und persönliche Weiterentwicklung“, wie es Ronald Amsler sagt. Und den Zufall als einen wichtigen Erfolgsfaktor. Für Amsler ist das kein Widerspruch. Das sei ja Bandlers Anspruch gewesen, im „Modeling“ nicht einfach die Praktiken der besten Therapeuten abzufragen, sondern neue Methoden zu generieren. Ich plädiere, sagt Amsler, für „Open NLP“.

Wenn es stimmt, dass Menschen sich verändern,
dann betrifft dies nicht nur das Punk-Publikum vonm einst oder Klienten. Es betrifft auch die Trainer. Und es wäre wirklich merkwürdig, wenn sich mit ihnen nicht auch ihre Konzepte und Gedankengebäude veränderten.

Trainer-Portrait

Thies Stahl
Stahl, Thies
Dipl.-Psychologe, DVNLP-Lehrtrainer, ProC und DVNLP-Lehrcoach, Mitglied des...

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Der Anzeigenschluss für Heft 3/2012 ist der 16. Mai 2012.

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