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Du Meckerliese!


von Monika Wilke


Ein Kind hört von seiner Mutter: „Wie kannst du deinen kleinen Bruder nur so piesacken – du bist wieder einmal so richtig böse!“ Das Kind fühlt sich schon als kleiner Mensch abgewertet, vielleicht auch nicht in seiner ganzen Person geliebt. Sagt seine Mutter aber zu ihm: „Ich ärgere mich darüber, wie du dich heute zu deinem Bruder verhältst, dass du ihn ständig anrempelst und ihm seine Spielsachen wegnimmst!“ kann das Kind spüren, dass es hier nur um sein momentanes Verhalten geht, dass es aber trotzdem als Mensch geliebt und angenommen ist, unabhängig davon, was es getan hat oder noch tun wird.


Dass wir Kinder nicht mit Du-Botschaften – „du bist böse, ungehorsam, dumm, nichtsnutzig ...“ – abwerten, akzeptieren Eltern, Kindergärtner oder Lehrer. Sehr viel schwieriger erscheint es uns, unerträgliches Verhalten von Erwachsenen nicht mit den Personen gleichzusetzen. „Sie ist eine ewige Meckerliese und Schimpfdrossel“, empört sich Anne während eines Kommunikationsseminars über ihre ältere Kollegin Ulrike.

„Sie behauptet ständig, ich sei zu jung, um wichtige Aufgaben in unserer Firma zu übernehmen, und nimmt mir alles aus der Hand.“ Dem Trainer helfen ESPERE-Werkzeuge der Einfühlsamen Kommunikation, den Unterschied zwischen Annes Kollegin Ulrike und deren Meckern zu verdeutlichen. Er schlägt Anne eine „Beziehungsdarstellung“ vor. Anne wählt unter den Seminarteilnehmern eine Frau aus, die ihre Kollegin darstellen wird: eine große, schlanke, geschmackvoll in Beige gekleidete Dame mit grauem Haar.


Beide Frauen stehen sich gegenüber und halten jeweils das Ende eines blaugrauen Schals, der ihre Arbeitsbeziehung symbolisiert. Ein weiterer Teilnehmer wird das meckernde und bevormundende Verhalten der Kollegin darstellen. Anne bittet einen gedrungenen, schwarz gekleideten Herrn, sich neben die Kollegin zu stellen. Wie sehr sich die Kollegin Ulriken und das nörgelnde Verhalten unterscheiden! Der Trainer bittet nun den Teilnehmer in Schwarz, das Verhalten, sich vor die Teilnehmerin in Beige, die Kollegin Ulrike, zu stellen, so dass Ulrike aus Annes Blick gerät. Der Trainer erklärt: „Wenn
wir mit dem Verhalten eines Menschen Probleme haben, steht das Verhalten meist vor dem Menschen, den wir dahinter nicht mehr wahrnehmen. Wir agieren dann nicht mehr mit dem anderen, sondern reagieren nur auf sein Verhalten.“

Der Trainer fragt Anne, an wen aus ihrer Kindheit sie das Verhalten erinnert. Die Antwort kommt sehr schnell. „Ich erinnere mich an meine Tante Marlene, die mit mir als kleines Mädchen ständig meckerte. Nichts konnte ich ihr recht machen!
Sie sagte stets, ich sei zu klein. Ulrike sieht ihr übrigens ziemlich ähnlich.“ Die Kollegin Ulrike berührt also mit ihrem Verhalten in Anne einen wunden Punkt aus früher Zeit, der nun wieder zu schmerzen beginnt. Anne kann jetzt eine Möglichkeit finden, sich mit der Erinnerung an ihre Tante auszusöhnen, beispielsweise mit einer gezielten Symbolanwendung. Auch dies ist eine ESPERE-Technik. Erfahrungsgemäß entspannt sich dann der Konflikt mit der Kollegin.


ESPERE-Beziehungsdarstellungen eignen sich dazu aufzuzeigen, dass Menschen weder mit ihrem Verhalten, noch mit ihren Gefühlen und Blockaden oder gar Behinderungen verwechselt und gleichgesetzt werden sollten. Und was es mit uns selbst zu tun hat, wenn uns das Verhalten eines anderen stört.

Trainer-Portrait

Neidhardt, Heike
unterstützt seit 12 Jahren Berufstätige beim Lernenbietet Lern-Coaching und...

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Anzeigenschluss

Der Anzeigenschluss für Heft 2/2012 ist der 16. März 2012.

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